Das war wohl die Frage des 18. Juni 2009?
Besser wär es wohl, wenn „Was stimmt hier nicht?“ die Frage des Jahres wird.
Und noch besser wär es, wenn „Was stimmt hier nicht?“ die Grundlage für den Weg aus der vielzitierten Krise schaffen würde.

Heut morgen in den 7-Uhr-Nachrichten bei Radio PSR konnte man hören, dass BMW-Mitarbeiter, die ein Konkurrenzprodukt fahren, eine Zettel mit der Frage „Was stimmt hier nicht?“ an ihrem Auto vorfanden.

Ich finde, dass diese Frage mehr als berechtigt und ganz sicher überfällig war. Keiner kann wohl richtig erklären wie man mit vollem Einsatz und voller Überzeugung an der Entstehung eines High-Tec-Fahrzeuges wie dem BMW M3 mitarbeiten und nach Schichtende im Traumberuf mit einem aufgemotzen Japaner nach Hause fahren kann und sich die Hälfte des Tages Gedanken darüber macht, wie mann sein Schmuckstück auf der nächsten Tuningshow auf Platz 1 polieren und pimpen kann.

Aber sollte sich jetzt nicht jeder an die eigene Nase fassen?
Der Fliesenleger, der beim …-Baumarkt seinen Fliesenkleber für die Nachbarschaftshilfe kauft.
Die Boutique-Verkäuferin, die für ihre Kinder die schicken Sommersachen aus dem Internet besorgt.
Der Bankangestellte, der abends seine privaten Geldgeschäfte über das kostenlose Direktbankkonto abwickelt und beim Onlinebroker Aktien ordert.
Die Chefsekretärin, die zwei Stunden in die Onlinebestellung von zwei Karton Kopierpapier beim europäischen Direktlieferanten investiert.
Der Musikjunkie, der sich beim HiFi-Händler vor Ort beraten lässt und dann beim „Energieverkäufer“ im Onlineauktionshaus zum Schnäppchenpreis bestellt.
Der Küchenchef, der die Zutaten für seine gehobene, regionale Küche beim Discounter um die Ecke holt.
Die Liste ließe sich sicherlich noch ewig lange fortschreiben.

Alle haben zweifelsfrei einen großen Vorteil errungen:
Sie haben wohl bei ihrem getätigten Einkauf Geld gespart.
Doch leider eben nur bei diesem Kauf.
Ob sich das wirklich ausbezahlt hat und auszahlt?

Der Fliesenleger kauft den Fliesenkleber im Baumarkt als NoNameProdukt für 20 EUR. Seinem Bekannten verkauft er ihn als Spezialkleber für 25 EUR. Bei seinem Chef hät er für den Top-Markenkleber 24 EUR bezahlt. Weil sein Bekannter ja ein Bekannter und kein Kunde ist, hätte für das bessere Produkt 1 EUR weniger bezahlt. Der Chef hätte an seinem Arbeiter 5 EUR verdient.
Das Ergebnis: Der Bekannte hätte mehr Geld in der Tasche und könnte so am Wochenende mit seiner Frau essen gehen oder ihr das schicke Sommerkleid in der Boutique am Marktplatz kaufen. Der Chef kann seinen Umsatz und seinen Marge steigern. Damit könnte er seinem Fliesenleger eine Gehaltserhöhung gewähren und sich selbst den neuen Sportwagen bestellen.
Die Gehaltserhöhung verhilft dem Fliesenleger zur neuen HiFi-Anlage. Am Nachbarn hät er ohnehin nichts verdient. Er lädt ihn aber nach dem Abschluss der Arbeiten zur Grillparty ein.

Plötzlich macht die Boutique Umsatz, der Sportwagenhersteller steigert seinen Absatz, der HiFi-Händler berät nicht nur er verkauft auch neue Anlagen, der Bäcker und der Metzger beliefern die Gartenparty, die Verkäuferin in der Boutique behält ihren Job, der Arbeiter in der Endmontage beim Autobauer muss nicht in Kurzarbeit, die Autohäuser und Werkstätten klagen nicht über sinkende Verkaufszahlen, der Bäcker kann seine Preise senken, weil er mehr verkauft, der Metzger ordert beim Biobauern, die Verkäuferin lässt ihr Bad neu Fliesen, das Autohaus erweitert seine Verkaufsflächen, der Metzger saniert seinen Verkaufsraum, der Hifi-Händler leistet sich in seinem Haus die teurere Fliese vom Fachhändler. Der Chef schickt den Fliesenleger …

Wahrlich eine unendliche Geschichte. Den Anfang machte der Fliesenleger, der 1 EUR Verlust machte. Am Ende profitierte jeder davon. Das Wort Krise kann man so ganz einfach aus dem großen deutschen Wörterbuch streichen. Später wird es nur noch heißen: „Es war einmal ein Fliesenleger, der das neue Wirtschaftswunder einläutete“