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So schnell vergeht die Zeit. Noch vor ein paar Augenblicken war mein Porsche 911 GT3 nagelneu und der Grund für den einen oder anderen Artikel. In ein paar Wochen sind drei Jahre um.

Es wird also doch langsam Zeit sich Gedanken über “Das Danach” zu machen.

Doch was kann einen Porsche 911 GT3 eigentlich ersetzen oder gar toppen?
Ein 911 Turbo? Ein 911 Turbo S?
Kann ein Gentleman-Sportwagen wirklich ein Ersatz für einen Rennwagen für die Straße sein?
Das ist ja dann fast so, als ob man einen i-Fred gegen eine HiFi-Anlage ersetzt.

Warten bis der neue 991 GT3 kommt?
Der neue Porsche 911 Carrera (991) ist zweifelsohne ein “Wahnsinns-Gerät”. Die Probefahrt machte wirklich Spaß. Der geht wie die Feuerwehr, liegt auf der Straße wie ein Brett und lässt einen 997 technisch ganz gewiss alt aus sehen. Aber das Design? Von hinten keinen Charakter. Von vorn keinen Ausdruck. Und innen? Ganz Panamera. Auch wenn alles passt und sitzt und man sich sofort wohl fühlt. Eine Alternative ist das für mich (leider) wohl nicht.

Es wird mal wieder spannend. Nicht zuletzt, da BMW und Audi wegen meiner Erfahrungen wohl auch nicht mehr in Frage kommen.

Knapp 20 Kilometer, 156 Kurven, 1.439 Höhenmeter. Die amerikanische Antwort auf die Nordschleife heißt Pikes Peak.

Jeff Zwart setzte im Juli 2010 mit einem 2007er Porsche 911 GT 3 Cup eine neue Bestmarke für heckgetriebene Fahrzeuge - 11:31:095 Minuten.

Das Kürzel “GT2″ tragen bei Porsche nur die stärksten 911er.
Aber Porsche wäre nicht Porsche wenn man dem nicht noch eines drauf setzen könnte. Und was bietet sich da mehr, an als das Rennsportkürzel “RS” mit der “GT2″ und der legendären Zahlenkombination “911″ zu kombinieren?

Herauskommt der stärkste straßenzugelassen Porsche, den es bisher gab.

Der Porsche 911 GT2 RS – Den Titel “Ehrfurcht” trägt er zu Recht.

620 PS (454 kW)  und 700 Nm aus dem altehrwürdigen 3,6 Liter-Boxer.
1.445 kg Leergewicht sorgen für eine 9,8 Sekunden kurzen Höllenritt von 0 auf Tempo 200 km/h.
284 g CO2/km erlauben dennoch eine Höchstgeschwindigkeit von 330 km/h
500 Exemplare werden ihn zu einem begehrten Exemplar machen.

Ich bin mir sicher sein, dass es nirgend wo sonst für knapp 385 EUR/PS so viel Leidenschaft, Spaß und Leistung gibt.
Ok die etwas günstiger 300 EUR/PS für den Porsche 911 GT3 mal ausgenommen.

Gestern war es endlich soweit.

Das Schreckgespenst eines jeden Verkäufers – der Umfragebogen zur Zufriedenheit beim Neuwagenkauf – lag auch in meiner Post.

Mit persönlichen Informationen und Daten soll man im Allgemeinen geizen. Bei diesem Fragebogen werde ich sicherlich kein Blatt vor den Mund nehmen. Wollen die Erfinder des besten Sportwagens der Welt doch meine persönlichen Erfahrungen erfahren.

Im Anschreiben steht was von Kritik und Verbesserungsvorschlägen.
Was wohl passiert, wenn ich da reinschreib, dass der GT3 ein bisschen langsam geht?
Noch gespannter bin ich auf die Reaktion, wenn ich nachfrage, wieso dieser GT3 nicht schon vor drei Jahren angeboten wurde.
Kann man über eines Sportwagen mit solch einem Suchtpotenzial überhaupt positiv schreiben?

Ich seh schon: So ein Verkäufer hat es nicht leicht, wenn er auf meinen Fragebogen wartet.

Die einen sagen, es sei ein Kindheitstraum.
Für die anderen ist es ein Virus.
Dann gibt es noch welche, die von Leidenschaft reden.

Sommerfreude

Himmel und Hölle zum Träumen

Wenn du von allem 100 % in dir hast, dann bist du wohl einer von denen, die mit dem breitem Grinsen im Gesicht durchs Leben fahren. Ich kenn dieses Gefühl seit fünf Jahren. Und es saugeil. (sorry für dieses Wort, habs auch extra durchgestrichen)

Begonnen hat es wohl schon vor 35 Jahren. Porsche 911 turbo hieß das Auto der Superlative damals. In jedem Autoquartett war es der Trumpf. Man wollt ihn haben. Und das obwohl man ihn niemals im Leben gesehen hat. Ich hab wohl auch nicht daran gedacht, dass ich im Zonenrandgebiet jemals so ein Fahrzeug sehen werd. Es war eben ein Traum. Der Traum vom Porsche.

Ein paar Jahre später gings dann alle zwei Jahre nach Frankfurt. Zur IAA. Große Augen kriegen. Vor dem Stand der Supersportwagen aus dem Autoquartett.
Mit 18 hat ich den ersten luftgekühlten Heck-Boxer. Einen 57er VW Käfer, 28 PS, 145er Reifen auf 15-Zoll-Felgen und Faltdach.
Der Traum damals: Ein Porsche-Motor im Heck.

Ich musste fast 20 Jahre drauf warten. 2004 wars dann soweit. Der Heckmotor stand vor mir. In einem schwarzen 911 Carrera (997). Die Augen leuchteten, das Grinsen begann. Den ersten Gang ins PZ werd ich nie vergessen.
2006 wurde es Zeit, den Traum weiter zu leben. 911 Carrera S, Aerokit, Sportfahrwerk und Klappenauspuff sollten die Augen etwas größer machen.
Doch was wäre ein Leben ohne Träume. Porsche 911 turbo hieß der ja mal. Also muss man an der Erfüllung arbeiten.
Irgendwann bekam ich dann den Schlüssel für eine Probefahrt. 996 turbo mit tiptronic. Woww. Der ging gut. Aber …

Im Frühjahr 2009 kam mein S der 100.000 km-Grenze immer näher. Die Zeit der Trennung war also gekommen.
Doch was kommt nach so einem topausgestatteten und individuell konfigurierten Porsche?
Ich hab also angefangen zu überlegen. Sollte ich vielleicht vernünftig werden und mir einen Familienwagen zulegen. Cayenne GTS PDE, turbo oder Diesel? Panamera? Audi S4 oder S5? BMW M3? Die Freundin sagte ja, werd vernünftig. Ich wurd nur eins: Immer unsicherer. Keines der Autos hat mein Herz erreicht. Den Verstand haben einige gekratzt.

Im Porsche Zentrum glaubte man schon nicht mehr an mich. Die Verkäufer incl. Chef waren ratlos, was man mit so einem Kunden noch machen kann.
Cayenne turbo WLS: super, aber eben kein richtiges Grinsen.
911 S mit PDK und Aerokit: hat ich irgendwie schon, keine Emotion.
911 turbo: der Kindheitstraum, aber irgendwie doch zu abgehoben für´s Land und zu teuer im Unterhalt, eine Porsche mit Wumms aber ohne Bauchkribbeln.
911 GT3: Jaaaa, aber geht so was überhaupt im Gebirge mit 20 % Arbeitslosen und 5 Monaten Winter.

Wolken verleihen Flügel

Wolken verleihen Flügel

Und immer wieder kamen die Gedanken nach der Vernunft auf.

Nach einem stundenlangen Gespräch mit meinem Bruder war klar: Autokauf ist Herzenssache. Da hat der Verstand nichts verloren. Nicht wenn man einem harten Job nachgeht, der jeden Tag viel Verantwortung fordert und jede Menge Risiko mit sich bringt.

Der Drehzahlmesser gehört in die Mitte

Typisch Porsche - Drehzahl immer im Blick

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Und was spricht das Herz mehr an als ein Kindheitstraum, ein Jugendtraum, eine Leidenschaft und ein Virus?
Die Antwort war ganz leicht: Porsche 911. Aber nicht turbo, sondern GT3. Die Entscheidung kam ja auch “Aus tiefstem Inneren”

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carreraweiß, tief, breit und absolut scharf

Carreraweiß, tief und breit - so sehen wahrgewordene Kindheitsträume aus

Ich brauch doch weder Allrad noch Schiebedach oder Lederausstattung.
Heckantrieb und Schalensitz reichen vollkommen für die Fahrt von A nach B.
1470 kg, 435 PS, 298 g CO2/km, 430 Nm, 6 Gänge und zwei Sitze reichen auch zum Semmeln holen.
Jetzt hab ich ihn seit knapp zwei Monaten: Meinen 911 GT3 carreraweiß mit Clubsportpaket.
Das Grinsen ist wieder zurückgekehrt. Breiter als je vorher.
Die Verkäufer im PZ sind jedes Mal happy, wenn sie mich sehen. (Hoff ich zumindest)

Sollte der Neue ein so beliebtes Foto-Objekt wie mein alter 911 S mit Aerokit werden, nehm ich künftig 5 Euro für jedes Foto.
Doch keine Sorge: Ich werd genau Buch drüber führen und jeden Cent abführen. Und zwar an die Lebenshilfe. Vielleicht kann ich ja so andere an meinem Kindheitstraum, an meiner Leidenschaft und an meinem Virus teilhaben lassen.

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